Papa, ich werde Drohnenpilot

Sohn I wird demnächst Abitur machen und zählt die Wochen, bis es vorbei ist. Sohn II folgt in einem Jahr. Keiner von beiden kann die Frage beantworten, was er danach beruflich machen will. Der eine „will reich werden“, der andere „will das Leben genießen und was schönes machen“. Nun, ich wußte in dem Alter auch nicht, was ich werden wollte. Nur Mädchen wussten schon immer, dass sie Tierärztin werden wollten.

Neu ist heute allerdings, dass zwei von drei Kindern Jobs machen werden, die es heute noch nicht einmal gibt. Vielleicht werden sie Drohnen-Pilot? Wer weiß. Kann man davon leben? Hängt davon ab. Das Schwierige an Prognosen ist ja bekanntermaßen, dass sie ungenau werden, sofern sie die Zukunft betreffen. Und da sich das Rad des technologischen Wandels immer schneller dreht, wird der berechenbare Horizont immer kürzer.

Die Unsicherheit betrifft auch meine Generation. Wenn erst Watson die Anamnese wesentlich schneller und wesentlich korrekter macht, wenn der Call Center Computer nicht mehr zu unterscheiden ist von einem echten Menschen, wenn Kreditsachbearbeiter und Versicherungsmakler durch Algorithmen ersetzt sind, dann betrifft das eine sehr sehr große Anzahl von Arbeitnehmern. Guido Bosbach fragt zu recht: Schon mal darüber nachgedacht wie ihr Job in 5 Jahren so aussieht?

Meine Kindern haben „lernen“ nicht gelernt. Sie wurden an den Spitzen-Gymnasien vollgestopft mit Fachwissen, das übermorgen veraltet ist. Sicher haben sie da intuitiv „lernen“ gelernt. Aber die Neugier, probieren, scheitern, neue Methoden kennenlernen, kontinuierlich an einer Sache dran bleiben und eigenständig lösen – diese Dinge werden sie vermutlich auch nicht an der Uni lernen. Die Uni wird sie weiter disziplinieren – aber wird das reichen für die kommenden Berufsbilder, für die Positionierung im „hochprofessionellen Quadranten“ und nicht in der prekären Ecke? Dazwischen wird nicht mehr viel Platz sein. Vielleicht werden sie als Drohnenpilot ein ausreichendes Einkommen erzielen und ausreichend Erfüllung finden?

Sie werden ihren Weg machen. Da bin ich sicher. Ob das für viele Arbeitnehmer meiner Generation gilt, wage ich dagegen zu bezweifeln.


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